862—1991

РОССИЯ Geschichte Russlands

Vom Zarenreich zur Sowjetunion

KLAUSUR K10
1129 Jahre Geschichte
11 Klausurthemen
27 Schlüsselereignisse
01

Grundlegende Definitionen

Nationalstaat

Ein Staat, dessen Bewohner überwiegend einer gemeinsamen Nation angehören:

  • Gemeinsame Sprache
  • Gemeinsame Kultur und Geschichte
  • Gemeinsames Territorium
  • Gemeinsame politische Identität

Imperium

Ein Großreich mit folgenden Merkmalen:

  • Multiethnisch: Viele verschiedene Völker und Ethnien
  • Expansion: Territoriale Ausdehnung durch Eroberung
  • Hierarchie: Herrschervolk dominiert über unterworfene Völker
  • Zentralgewalt: Macht konzentriert bei einem Herrscher
  • Vielfalt: Verschiedene Sprachen, Religionen, Kulturen
02

Interaktiver Zeitstrahl

Mittelalter
Zarenzeit
19. Jh.
Revolution
Stalin-Ära
2. Weltkrieg
Kalter Krieg
Ende UdSSR
862

Gründung der Kiewer Rus

Beginn der russischen Staatlichkeit

  • Waräger (Wikinger) unter Rurik gründen ersten ostslawischen Staat
  • Kiew wird zum politischen und kulturellen Zentrum
  • Beginn der Dynastie der Rurikiden (bis 1598)
988

Christianisierung Russlands

Taufe des Großfürsten Wladimir I.

  • Annahme des orthodoxen Christentums aus Byzanz
  • Grundlage für russische Identität und Kultur
  • Verbindung zu Konstantinopel statt Rom
1240

Mongolenherrschaft (Tatarenjoch)

bis 1480

240 Jahre unter der Goldenen Horde

  • Zerstörung Kiews durch die Mongolen
  • Russische Fürsten als Vasallen der Mongolen
  • Isolation vom Westen, Rückständigkeit
  • Aufstieg Moskaus als Sammler russischer Länder
1480

Befreiung von Mongolenherrschaft

Iwan III. beendet das Tatarenjoch

  • Moskau wird zur führenden Macht
  • Beginn des Moskauer Reiches
  • Anspruch als "Drittes Rom" nach Fall Konstantinopels (1453)
1547

Iwan IV. wird erster Zar

Beginn der Zarenherrschaft

  • "Zar" = Cäsar, Anspruch auf imperiale Würde
  • Iwan der Schreckliche: Expansion nach Osten (Sibirien)
  • Errichtung der Opritschnina (Terrorherrschaft)
  • Stärkung der Autokratie
1613

Beginn der Romanow-Dynastie

Michael Romanow wird Zar

  • Ende der "Zeit der Wirren" (Smuta)
  • Romanows herrschen bis 1917
  • Stabilisierung des Reiches
1762

Katharina die Große

bis 1796

Aufgeklärter Absolutismus und Expansion

  • Expansion nach Westen (Teilungen Polens)
  • Eroberung der Krim und Schwarzmeerküste
  • Förderung von Kultur und Wissenschaft
  • Stärkung des Adels, Verschlechterung für Leibeigene
  • Russland wird größte Landmacht Europas
1812

Vaterländischer Krieg gegen Napoleon

Sieg über Napoleon

  • Napoleon dringt bis Moskau vor
  • Brand von Moskau, Rückzug und Vernichtung der Grande Armée
  • Alexander I. als "Befreier Europas"
  • Wiener Kongress 1815: Russland als europäische Ordnungsmacht
1825

Dekabristenaufstand

Erster revolutionärer Aufstand

  • Liberale Offiziere fordern Verfassung
  • Aufstand wird niedergeschlagen
  • Nikolaus I. reagiert mit verstärkter Repression
1853

Krimkrieg

bis 1856

Niederlage offenbart Rückständigkeit

  • Krieg gegen Osmanisches Reich, Großbritannien, Frankreich
  • Technische und militärische Unterlegenheit
  • Zwingt zu Reformen unter Alexander II.
1881

Ermordung Alexanders II.

Terroranschlag durch Narodniki

  • Reaktion: Alexander III. beendet Reformpolitik
  • Verstärkte Russifizierung und Repression
  • Geheimpolizei (Ochrana) wird ausgebaut
1898

Gründung der SDAPR

Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands

  • Marxistische Partei gegründet
  • 1903: Spaltung in Bolschewiki (Lenin) und Menschewiki
1904

Russisch-Japanischer Krieg

bis 1905

Demütigende Niederlage gegen Japan

  • Krieg um Einfluss in Korea und der Mandschurei
  • Vernichtung der russischen Flotte bei Tsushima
  • Erste Niederlage einer europäischen gegen asiatische Macht
  • Verstärkt innere Unzufriedenheit → Revolution 1905
1905
KLAUSUR

Revolution von 1905

Ursachen, Verlauf, Folgen erklären können!

Ursachen:

  • Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg
  • Wirtschaftskrise, Hungersnöte
  • Elende Lebensbedingungen der Arbeiter und Bauern
  • Politische Unterdrückung, keine Mitspracherechte
  • Nationale Unterdrückung der Minderheiten

Verlauf:

  • 9. Januar 1905 "Blutsonntag": Friedliche Demonstration wird niedergeschossen (über 1000 Tote)
  • Streikwelle im ganzen Reich
  • Bildung von Arbeiterräten (Sowjets) in St. Petersburg
  • Bauernaufstände, Meutereien (Panzerkreuzer Potemkin)
  • Generalstreik im Oktober 1905

Folgen (Oktobermanifest):

  • Zar Nikolaus II. macht Zugeständnisse
  • Einführung der Duma (Parlament) - aber begrenzte Macht
  • Bürgerliche Grundrechte auf dem Papier
  • Verfassung 1906 - Zar behält absolute Macht
  • Ergebnis: Revolution gescheitert, aber "Generalprobe für 1917"

"Die Revolution von 1905 war die Generalprobe für 1917."

— Lenin
1914

Beginn des Ersten Weltkriegs

Russland im Krieg

  • Russland kämpft auf Seite der Entente
  • Anfangs patriotische Begeisterung
  • Schwere Niederlagen, Millionen Tote
  • Versorgungskrise, Hunger in den Städten
  • Kriegsmüdigkeit untergräbt Zarismus
FEB 1917
KLAUSUR

Februarrevolution

Ereignisse 1917-1922 erklären können!

Ursachen:

  • Kriegsniederlage und Erschöpfung
  • Hunger, Versorgungskrise
  • Autoritätsverlust des Zaren (Rasputin-Skandal)

Verlauf:

  • Streiks und Demonstrationen in Petrograd
  • Soldaten verweigern Befehle, laufen über
  • 15. März 1917: Zar Nikolaus II. dankt ab
  • Ende der 300-jährigen Romanow-Herrschaft

Folgen:

  • Doppelherrschaft: Provisorische Regierung + Petrograder Sowjet
  • Provisorische Regierung setzt Krieg fort → unpopulär
  • Lenin kehrt aus dem Exil zurück (April)
  • "Aprilthesen": Frieden, Brot, Land, alle Macht den Sowjets
OKT 1917
KLAUSUR

Oktoberrevolution

Verlauf:

  • 7. November 1917 (25. Oktober nach altem Kalender)
  • Bolschewiki unter Lenin und Trotzki stürzen Provisorische Regierung
  • Erstürmung des Winterpalasts (eigentlich fast unblutig)
  • Machtergreifung im Namen der Sowjets

Erste Maßnahmen:

  • Dekret über den Frieden: Sofortiger Waffenstillstand
  • Dekret über den Boden: Enteignung des Großgrundbesitzes
  • Dekret über die Arbeiterkontrolle: Arbeiter übernehmen Fabriken
  • Gleichberechtigung der Nationalitäten (auf dem Papier)
1918
KLAUSUR

Der Russische Bürgerkrieg

bis 1922
Einer der blutigsten Konflikte des 20. Jahrhunderts — 8-10 Millionen Tote

Der Russische Bürgerkrieg war weit mehr als ein Konflikt zwischen zwei Seiten — er war ein chaotischer, brutaler Krieg aller gegen alle. Die Roten (Bolschewiki) kämpften gegen die Weißen (Zaristen, Liberale, gemäßigte Sozialisten), aber auch gegen die Grünen (Bauernarmeen) und Anarchisten. Der Krieg wurde mit beispielloser Brutalität gegen die Zivilbevölkerung geführt.

Auslöser und Beginn:

  • März 1918: Frieden von Brest-Litowsk — Russland verliert riesige Gebiete an Deutschland
  • Mai 1918: Aufstand der Tschechoslowakischen Legionen gegen die Bolschewiki
  • Ausländische Intervention: USA, Großbritannien, Frankreich, Japan unterstützen die Weißen
  • Juli 1918: Ermordung der Zarenfamilie in Jekaterinburg

Die Rote Armee:

  • Leo Trotzki als Kriegskommissar baut aus den Roten Garden ein modernes Wehrpflichtsheer
  • Strenge Hierarchie und zentrale Organisation
  • Einsatz ehemaliger zaristischer Offiziere als Spezialisten (umstritten in der Partei)
  • Bauern stellten mit 77% die größte Gruppe
  • Politkommissare überwachten die militärische Führung

Die Weiße Armee:

  • Heterogene Gruppe: Zaristen, Demokraten, gemäßigte Sozialisten, Nationalisten
  • Nur durch gemeinsame Feindschaft zu den Bolschewiki geeint
  • Wichtige Führer: General Denikin (Süden), Admiral Koltschak (Osten), General Wrangel
  • Schwäche: Keine einheitliche Führung, keine gemeinsame Vision
  • Unterstützung durch USA und Großbritannien reichte nicht aus

Der Kriegskommunismus (1918-1921)

Die Wirtschaftspolitik der Bolschewiki während des Bürgerkriegs:

  • Nahrungsdiktatur: Zwangsrequisitionen von Getreide bei den Bauern
  • Vollständiges Verbot des Privathandels im Agrarbereich
  • Verstaatlichung aller Industrie
  • Versorgung der Roten Armee hatte absoluten Vorrang
  • Folge: Massenhafte Hungersnöte in der Zivilbevölkerung

Der Rote Terror

  • Tscheka (Geheimpolizei) führte systematischen Terror durch
  • Massaker an "Klassenfeinden": Adlige, Bürgerliche, Geistliche
  • Erste Konzentrationslager für politische Gefangene
  • Geiselnahmen und Kollektivstrafen gegen ganze Dörfer
  • Auch die Weißen führten brutalen Terror — der "Weiße Terror"

Ende des Krieges:

  • November 1920: Sieg über die letzten weißen Truppen auf der Krim
  • 1921: Einnahme von Batumi im Kaukasus
  • 1922: Einnahme von Wladiwostok in Ostasien
  • Bauernaufstände (Grüne Bewegung) gegen beide Seiten
  • Kronstadt-Aufstand (März 1921): Matrosen fordern "Sowjets ohne Bolschewiki"

Der Bürgerkrieg hinterließ ein verwüstetes Land: Die Industrieproduktion war auf 20% des Vorkriegsniveaus gesunken, Millionen waren verhungert oder geflohen.

1922

Gründung der UdSSR

30. Dezember

Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken — das größte Land der Erde

  • Zusammenschluss von Russland (RSFSR), Ukraine, Weißrussland, Transkaukasien
  • Formal: Föderale Struktur mit Recht auf Austritt
  • Realität: Moskau und die Kommunistische Partei dominieren alles
  • Lenin bereits durch Schlaganfälle geschwächt
  • Stalin als Generalsekretär der Partei baut seine Machtbasis aus
1924
KLAUSUR

Tod Lenins und der Machtkampf

21. Januar
Wer übernimmt nach Lenin? Wie setzt sich Stalin durch?

Wladimir Iljitsch Lenin starb am 21. Januar 1924 in Gorki bei Moskau. Sein Tod löste einen erbitterten Machtkampf aus, der bis 1929 andauerte. Die beiden Hauptkontrahenten waren Leo Trotzki — der brillante Redner, Organisator der Oktoberrevolution und Gründer der Roten Armee — und Josef Stalin — der graue, aber machtbewusste Generalsekretär der Partei.

Lenins Testament (1922/23):

  • Lenin diktierte kurz vor seinem Tod eine Einschätzung der Parteiführung
  • Warnung vor Stalin: "Stalin ist zu grob, und dieser Mangel kann in der Funktion des Generalsekretärs nicht geduldet werden"
  • Lenin forderte, Stalin abzusetzen und durch jemand "toleranteren, loyaleren, höflicheren" zu ersetzen
  • Das Testament wurde unterdrückt — die Parteiführung hielt es geheim

Stalins Aufstieg zur Macht:

  • Das Triumvirat: Stalin verbündet sich mit Sinowjew und Kamenew gegen Trotzki
  • Als Generalsekretär kontrolliert Stalin die Parteiorganisation und besetzt Schlüsselpositionen mit Getreuen
  • "Sozialismus in einem Land" vs. Trotzkis "Permanente Revolution"
  • Stalin wirft Trotzki vor, mit der Weltrevolution das Land zu gefährden
  • 1925: Stalin wendet sich gegen Sinowjew und Kamenew
  • 1926-27: Vereinigte Opposition (Trotzki, Sinowjew, Kamenew) wird ausgeschaltet

Das Ende Trotzkis:

  • Oktober 1927: Ausschluss aus dem Zentralkomitee
  • November 1927: Ausschluss aus der Partei
  • 1928: Deportation nach Kasachstan
  • Februar 1929: Ausweisung aus der Sowjetunion
  • August 1940: Ermordung durch einen sowjetischen Agenten in Mexiko

Warum gewann Stalin?

  • Unterschätzt: Trotzki und andere hielten ihn für einen "grauen Bürokraten"
  • Kontrolle des Apparats: Als Generalsekretär bestimmte er, wer welche Position bekam
  • Taktisches Geschick: Wechselnde Bündnisse, Gegner gegeneinander ausspielen
  • Einfache Botschaft: "Sozialismus in einem Land" war verständlicher als Weltrevolution
  • Trotzkis Arroganz: Er machte sich viele Feinde in der Partei

"Stalin ist zu grob [...] Ich schlage den Genossen vor, sich zu überlegen, wie man Stalin von diesem Posten entfernen könnte."

— Lenin, Testament (1923)
1928
KLAUSUR

Stalins Herrschaft beginnt

bis 1953
Stalins Modernisierungsdiktatur bewerten: Erfolge gegen Kosten abwägen!

Mit der Ausschaltung aller Rivalen begann 1928 die Alleinherrschaft Stalins. Er beendete die NEP und startete eine gewaltsame "Revolution von oben": Die forcierte Industrialisierung und Kollektivierung der Landwirtschaft sollten die Sowjetunion innerhalb weniger Jahre zur Weltmacht machen — koste es, was es wolle.

Stalins Ideologie — "Sozialismus in einem Land":

  • Abkehr von der Weltrevolution — Aufbau des Sozialismus zunächst nur in der UdSSR
  • Die UdSSR muss sich gegen die "kapitalistische Einkreisung" wappnen
  • Zitat Stalin: "Wir sind 50-100 Jahre hinter den fortgeschrittenen Ländern zurück. Wir müssen diese Distanz in 10 Jahren durchlaufen. Entweder wir schaffen das, oder sie werden uns zermalmen."

Ziele der Modernisierung:

  • Industrialisierung: Aufbau einer Schwerindustrie (Stahl, Kohle, Maschinen)
  • Militärische Stärke: Vorbereitung auf einen unvermeidlichen Krieg
  • Autarkie: Unabhängigkeit vom kapitalistischen Ausland
  • Soziale Umwälzung: Vernichtung der alten Klassen (Kulaken, Bürgertum)

Das System des Stalinismus:

  • Personenkult: Stalin als unfehlbarer "Vater der Völker"
  • Terror: Permanente Säuberungen, Gulag, Geheimpolizei (NKWD)
  • Planwirtschaft: Zentrale Steuerung aller Wirtschaftsprozesse
  • Propaganda: Totale Kontrolle der Medien, Kunst und Wissenschaft
  • Isolation: Abschottung vom Ausland, Xenophobie
1929
KLAUSUR

Der Erste Fünfjahresplan

1928-1932
Wie funktionierte die Planwirtschaft? Was wurde erreicht, was geopfert?

Der Erste Fünfjahresplan (rückwirkend auf Oktober 1928 datiert) war das Herzstück von Stalins "Revolution von oben". Die Planvorgaben waren absurd hoch — eine jährliche Steigerung der Industrieproduktion um 20%. Die Propaganda verkündete, der Plan sei in vier Jahren erfüllt worden. Die Realität war komplizierter: Enorme Erfolge bei der Schwerindustrie, aber um den Preis von Millionen Menschenleben.

Ziele und Methoden:

  • Jährliche Steigerung der Industrieproduktion um 20%
  • Fokus auf Schwerindustrie: Stahl, Kohle, Eisen, Maschinenbau
  • Vernachlässigung der Konsumgüterindustrie
  • Gewaltige Bauprojekte: Stahlwerk Magnitogorsk, Traktorenwerk Stalingrad
  • Stachanow-Bewegung: "Helden der Arbeit" als Propaganda

Arbeitskräfte für die Industrie:

  • Millionen Bauern fliehen vor der Kollektivierung in die Städte
  • Gulag: Zwangsarbeiter bauen Kanäle, Eisenbahnen, Bergwerke
  • Schätzungsweise 18 Millionen Menschen durchliefen das Gulag-System
  • Frauen werden massenhaft in die Industrie eingegliedert

Ergebnisse des Ersten Fünfjahresplans:

Erreicht:

  • Stahlproduktion verdoppelt
  • Kohleförderung verdoppelt
  • Neue Industriezentren im Ural
  • Elektrifizierung großer Gebiete

Kosten:

  • Millionen Tote durch Hunger
  • Qualität oft mangelhaft
  • Lebensstandard gesunken
  • Massenterror gegen "Saboteure"
1930
KLAUSUR

Zwangskollektivierung

1929-1933
Folgen der Zwangskollektivierung erklären — eines der größten Verbrechen des 20. Jh.

Die Kollektivierung der Landwirtschaft war Stalins "Krieg gegen das Dorf". Zwischen Juli 1929 und Juli 1932 wurden fast 15 Millionen Bauernhöfe zwangsweise "kollektiviert" — mit Land, Vieh und Gerätschaften in Kolchosen (Kollektivwirtschaften) überführt. Die Bauern verstanden dies als Enteignung und Versklavung. Wer sich wehrte, wurde als "Kulak" deportiert oder ermordet.

Was bedeutete Kollektivierung?

  • Bauern mussten Land, Vieh, Geräte an Kolchosen abgeben
  • Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln auf dem Land
  • Staatliche Zwangsabgaben von Getreide zu Niedrigstpreisen
  • Kolchosen wurden zentral geplant und kontrolliert
  • Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS) als Kontrollinstanzen

Die "Entkulakisierung" (1930-1932):

  • Kulaken: Als "Klassenfeinde" definierte wohlhabendere Bauern
  • Drei Kategorien: 1. Erschießen, 2. Deportieren, 3. Enteignen und umsiedeln
  • 5-7 Millionen Menschen wurden deportiert, enteignet oder ermordet
  • Ganze Familien in Güterwagen nach Sibirien oder Kasachstan
  • Viele starben auf dem Transport oder in den Verbannungsgebieten

Der Holodomor — Die Hungersnot 1932-33

Die Kollektivierung führte zum Zusammenbruch der Landwirtschaft. Trotzdem wurden die Getreideabgaben erhöht, um Devisen für die Industrialisierung zu gewinnen. Das Ergebnis war eine der schlimmsten Hungersnöte der Geschichte:

  • 3-7 Millionen Tote allein in der Ukraine
  • Weitere Millionen in Kasachstan und anderen Regionen
  • Dörfer wurden abgeriegelt, Flucht war verboten
  • Kannibalismus und Massensterben
  • Heute: Von vielen Ländern als Völkermord anerkannt

Folgen der Kollektivierung:

  • Vernichtung der traditionellen Dorfgemeinschaft
  • Landwirtschaftliche Produktion erholt sich erst nach Jahren
  • Traumatisierung der Landbevölkerung für Generationen
  • Massenflucht in die Städte → Arbeitskräfte für Industrie
  • Totale Kontrolle des Staates über die Nahrungsmittelproduktion
1936
KLAUSUR

Der Große Terror

1936-1938
Terror und Propaganda als Herrschaftsinstrumente — Wie funktionierte Stalins Diktatur?

Die Jahre 1936-1938 waren der Höhepunkt des stalinistischen Terrors. In einer beispiellosen Säuberungswelle wurde die gesamte alte Garde der Bolschewiki vernichtet, die Armee enthauptet und Millionen unschuldiger Menschen in Gulags deportiert oder erschossen. Niemand war sicher — selbst treueste Stalinisten wurden als "Volksfeinde" verhaftet.

Terror als Herrschaftsinstrument:

  • Moskauer Schauprozesse (1936-38): Öffentliche "Geständnisse" und Hinrichtungen
  • Alte Bolschewiki wie Sinowjew, Kamenew, Bucharin wurden erschossen
  • Sie "gestanden" absurde Verbrechen: Spionage, Sabotage, Mordpläne gegen Stalin
  • Säuberung der Armee: 3 von 5 Marschällen, 13 von 15 Armeegenerälen hingerichtet
  • 90% der Generäle und 80% der Obersten wurden verhaftet

Das NKWD und das Gulag-System:

  • NKWD (Geheimpolizei) unter Jeschow führte den Terror durch
  • Quotensystem: Jede Region musste bestimmte Zahlen von "Feinden" liefern
  • 750.000 Hinrichtungen allein 1937-38
  • 18 Millionen Menschen durchliefen das Gulag-System insgesamt
  • Willkürliche Verhaftungen, Folter, erzwungene Geständnisse
  • Denunziationen unter Nachbarn, Kollegen, sogar Familienmitgliedern

Das Gulag — "Hauptverwaltung der Lager"

  • Riesiges Netzwerk von Zwangsarbeitslagern in ganz Russland
  • Schwerpunkte: Sibirien, Kolyma (Goldbergbau), Workuta (Kohle), Weißmeerkanal
  • Unmenschliche Bedingungen: Hunger, Kälte, Erschöpfung
  • Todesraten bis zu 25% pro Jahr in den härtesten Lagern
  • Gefangene lieferten wichtige Arbeitskraft für Industrie und Rohstoffgewinnung

Propaganda als Herrschaftsinstrument:

  • Personenkult: Stalin als "Vater der Völker", "Größter Genius der Menschheit"
  • Bilder, Statuen, Lieder überall — Stalin als gottähnliche Figur
  • Sozialistischer Realismus: Einzige erlaubte Kunstform
  • Geschichtsfälschung: Trotzki aus Fotos und Büchern gelöscht
  • Totale Kontrolle aller Medien, Bildung, Wissenschaft
  • Jede Abweichung von der Parteilinie war tödlich

"Unter Stalin durchliefen schätzungsweise 18 Millionen Menschen das Gulag-System der Zwangsarbeitslager, und mehr als 6 Millionen Menschen wurden in entlegene Gebiete deportiert."

1939

Hitler-Stalin-Pakt

  • Nichtangriffspakt zwischen Nazi-Deutschland und UdSSR
  • Geheimes Zusatzprotokoll: Aufteilung Osteuropas
  • UdSSR erhält Ostpolen, Baltikum, Bessarabien
  • Stalin gewinnt Zeit für Aufrüstung
1941
KLAUSUR

Großer Vaterländischer Krieg

bis 1945
Warum "Großer Vaterländischer Krieg"?

Warum diese Bezeichnung?

  • Anknüpfung an "Vaterländischen Krieg" 1812 gegen Napoleon
  • Nicht nur ideologischer Krieg, sondern Verteidigung der Heimat
  • Mobilisierung aller Bevölkerungsschichten
  • Überlebenskampf des sowjetischen/russischen Volkes
  • Patriotismus statt Kommunismus als Motivation

Wichtige Ereignisse:

  • 22. Juni 1941: "Unternehmen Barbarossa" - Deutscher Überfall
  • Schneller deutscher Vormarsch, Millionen Gefangene
  • Blockade Leningrads (900 Tage, 1 Million Tote)
  • Schlacht um Stalingrad (1942-43) - Wendepunkt
  • Rote Armee drängt Wehrmacht zurück
  • 8./9. Mai 1945: Sieg über Nazi-Deutschland

Wie wurde die UdSSR Siegermacht?

  • Massive Industrieproduktion (Panzer, Flugzeuge)
  • Enorme Opferbereitschaft (27 Millionen Tote)
  • Lend-Lease-Hilfe der USA
  • Weite Räume, "General Winter"

Bedeutung für Russland heute:

  • Zentraler Erinnerungsort russischer Identität
  • 9. Mai als wichtigster Feiertag
  • Legitimation für Großmachtanspruch
  • Instrumentalisierung in aktueller Politik
1945

Nachkriegsordnung

  • UdSSR als Weltmacht neben den USA
  • Besetzung Osteuropas
  • Beginn des Kalten Krieges
  • "Eiserner Vorhang" teilt Europa
1953
KLAUSUR

Tod Stalins

Wer übernimmt nach Stalin?
  • Nikita Chruschtschow setzt sich durch
  • 1956: Geheimrede - Entstalinisierung
  • Kritik an Stalins Terror und Personenkult
  • Aber: System bleibt autoritär
1964

Breschnew-Ära

bis 1982
  • Stagnation und Reformstau
  • Entspannungspolitik, aber auch Wettrüsten
  • 1979: Einmarsch in Afghanistan (Desaster)
  • Wirtschaftliche Probleme nehmen zu
1985
KLAUSUR

Ära Gorbatschow

bis 1991
Modernisierungsversuche Gorbatschows erläutern!

Modernisierungsversuche:

  • Glasnost (Offenheit): Pressefreiheit, offene Diskussion
  • Perestroika (Umbau): Wirtschaftsreformen, Dezentralisierung
  • Abkehr vom Einparteiensystem (1990)
  • Abrüstung, Ende des Kalten Krieges

Politische und gesellschaftliche Folgen:

  • Kritik an der Partei und am System möglich
  • Nationalistische Bewegungen in Republiken
  • Aufarbeitung von Stalins Verbrechen
  • Wirtschaftliche Probleme verschärfen sich
  • Konservative Opposition wächst
  • Reformer wollen schnellere Veränderung (Jelzin)
1989
KLAUSUR

Zerfall des Sowjetimperiums

bis 1991
Zerfall des Imperiums erläutern!

Ablauf des Zerfalls:

  • 1989: Fall der Berliner Mauer, Revolutionen in Osteuropa
  • UdSSR verzichtet auf Intervention ("Sinatra-Doktrin")
  • 1990: Baltische Staaten erklären Unabhängigkeit
  • August 1991: Putschversuch von Hardlinern scheitert
  • Jelzin wird zum Helden, Gorbatschow geschwächt
  • Dezember 1991: Auflösung der UdSSR
  • 15 unabhängige Nachfolgestaaten

Gründe für den Zerfall:

  • Wirtschaftliche Krise und Versorgungsmängel
  • Nationalismus in den Republiken
  • Glasnost ermöglichte Kritik am System
  • Verlust der Legitimität der KPdSU
  • Kosten des Wettrüstens und Afghanistan-Kriegs
  • Tschernobyl-Katastrophe (1986) als Symbol für Versagen
1991

Ende der Sowjetunion

25. Dezember
  • Gorbatschow tritt zurück
  • Sowjetische Flagge über dem Kreml wird eingeholt
  • Russische Föderation unter Jelzin
  • Ende des sowjetischen Imperiums
03

Themenübersicht

01

Zarismus — Autokratie von Gottes Gnaden

  • Autokratie: Alleinherrschaft des Zaren ohne Gewaltenteilung
  • Gottesgnadentum: Zar als von Gott eingesetzter Herrscher
  • Keine Verfassung, kein Parlament (bis 1905)
  • Orthodoxe Kirche stützt Zarenherrschaft
  • Geheimpolizei (Ochrana) unterdrückt Opposition
  • Zensur aller Medien
02

Gesellschaft im Zarenreich

  • Adel: Privilegierte Oberschicht, Großgrundbesitz
  • Geistlichkeit: Orthodoxe Kirche als Stütze des Systems
  • Bauern (80%): Bis 1861 Leibeigene, danach weiter arm
  • Arbeiter: Wachsend durch Industrialisierung
  • Bürgertum: Schwach entwickelt (Unterschied zu Westeuropa)
03

Multiethnischer Nationalstaat?

  • Widerspruch: Imperium ≠ Nationalstaat
  • Über 100 Völker: Russen, Ukrainer, Polen, Juden, Finnen...
  • Russifizierungspolitik: Russisch als Amtssprache
  • Pogrome gegen Juden
  • Koloniale Ausbeutung der Peripherie
04

Rückständigkeit Ende 19. Jh.

  • 80% Analphabeten
  • Rückständige Landwirtschaft (Holzpflug)
  • Kein freier Bauernstand
  • Schwaches Bürgertum
  • Kaum Industrie (erst ab 1890er)
  • Autoritäres politisches System
  • Infrastruktur unterentwickelt
06

Modernisierung: Erfolg oder Scheitern?

Erfolge

  • Industriemacht aufgebaut
  • Analphabetismus beseitigt
  • Urbanisierung
  • Sieg im 2. Weltkrieg
  • Weltmachtstatus

Kosten

  • Millionen Tote durch Terror
  • Hungersnöte
  • Zwangsarbeit (Gulag)
  • Totalitäre Diktatur
  • Keine politische Freiheit
04

Schlüsselbegriffe

Marxismus

Lehre von Karl Marx und Friedrich Engels:

  • Kapitalismus: Wirtschaftssystem, in dem Produktionsmittel Privateigentum sind
  • Klassengesellschaft: Bourgeoisie vs. Proletariat
  • Ausbeutung: Kapitalisten eignen sich den Mehrwert an
  • Revolution: Proletariat stürzt Bourgeoisie
  • Kommunismus: Klassenlose Gesellschaft
Kapitalismus → Klassenkampf → Revolution → Sozialismus → Kommunismus

Leninismus

Lenins Weiterentwicklung des Marxismus:

  • Avantgarde-Partei: Kleine, disziplinierte Kaderpartei führt Revolution
  • Berufsrevolutionäre: Hauptamtliche Revolutionäre
  • Demokratischer Zentralismus: Diskussion, dann einheitliches Handeln
  • Revolution in rückständigen Ländern: Möglich ohne entwickelten Kapitalismus
  • Diktatur des Proletariats: Herrschaft der Arbeiterklasse (=Partei)

Sowjet

  • Russisch für "Rat"
  • Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte
  • Entstanden 1905, wichtig 1917
  • "Alle Macht den Sowjets" = Parole der Bolschewiki

Bolschewiki / Menschewiki

  • Bolschewiki: "Mehrheitler" - Lenins Fraktion, radikaler
  • Menschewiki: "Minderheitler" - gemäßigter
  • Spaltung 1903 der SDAPR

Modernisierung von oben

  • Reformen durch autoritäre Herrscher, nicht durch Volk
  • Beispiele: Peter der Große, Witte, Stalin
  • Technische Modernisierung ohne politische Liberalisierung
  • Ziel: Machterhalt und militärische Stärke

Weitere Begriffe

Duma — Russisches Parlament (ab 1906)
Tscheka/NKWD — Sowjetische Geheimpolizei
Gulag — System von Straflagern
Kolchose — Kollektivwirtschaft
Kulak — "Wohlhabender" Bauer
Glasnost — Offenheit (Gorbatschow)
Perestroika — Umbau (Gorbatschow)
05

Lerntipps

Operatoren beachten!

  • Erkläre: Sachverhalt verständlich darstellen
  • Erläutere: Erklären + eigene Interpretation
  • Begründe: Argumente und Belege anführen
  • Bewerte: Eigenes Urteil mit Begründung
  • Stelle dar: Sachverhalt strukturiert wiedergeben

Bei Imperiums-Fragen

Immer prüfen:

  • Multiethnisch?
  • Expansion/Eroberung?
  • Hierarchie (Herrschervolk)?
  • Zentralgewalt?
  • Vielfalt unterdrückt?

Ursache-Verlauf-Folgen

Bei Revolutionen immer:

  1. Ursachen: Langfristige + kurzfristige Auslöser
  2. Verlauf: Wichtige Ereignisse chronologisch
  3. Folgen: Direkte + langfristige Auswirkungen

Marxismus erklären

Verwende diese Begriffe:

Kapitalismus → Klassengesellschaft → Ausbeutung → Revolution → Kommunismus